Die wichtigsten buildingSMART-Standards
IFC, bSDD, IDS, BCF und openCDE erfüllen unterschiedliche Aufgaben im BIM-Projekt. Diese Lektion erklärt ihr Zusammenspiel und zeigt, wie du einen passenden Einstieg für dein Team findest.
Lernziel
Nach dieser Lektion kannst du IFC, bSDD, IDS, BCF und openCDE voneinander abgrenzen und ihren jeweiligen Zweck erklären. Du verstehst, wie sie zusammenwirken, und kannst entscheiden, womit sich dein Team zuerst beschäftigen sollte.
Praxisproblem
Stell dir eine erste BIM-Sitzung vor. Auf dem Whiteboard stehen fünf Kürzel: IFC, IDS, BCF, bSDD und openCDE. Jemand fragt, ob IDS eine Datei oder ein Prozess sei. Eine andere Person möchte wissen, ob BCF die IFC-Datei ersetzt.
Die Kürzel allein erklären ihren Zweck kaum. Wer neu einsteigt, muss zunächst unterscheiden: Geht es um das Bauwerksmodell, um Begriffe, Anforderungen, offene Themen oder den Austausch zwischen Werkzeugen?
Die vorgestellten Bausteine ergänzen sich. Ein Projekt kann mehrere davon kombinieren, muss aber nicht alle gleichzeitig einführen. Entscheidend ist, welches Problem es lösen will.
1. Fünf Fragen zur Orientierung
IFC, IDS und BCF sind Standards für unterschiedliche Aufgaben. bSDD ist ein Dienst für Datenwörterbücher; openCDE umfasst mehrere Schnittstellenstandards. Die folgende Übersicht ordnet sie nach ihrem Zweck:
| Frage | Baustein | Kurz gesagt |
|---|---|---|
| Wie beschreiben wir das Bauwerk? | IFC | Ein offenes Datenmodell für Bauwerksinformationen |
| Was bedeuten unsere Begriffe? | bSDD | Ein Dienst für Wörterbücher mit Klassen, Eigenschaften und Definitionen |
| Welche Informationen fordern wir? | IDS | Maschinenlesbare Anforderungen für die Prüfung von IFC-Modellen |
| Wie besprechen wir offene Themen? | BCF | Strukturierter Austausch von Themen mit Modellbezügen |
| Wie verbinden wir unsere Werkzeuge? | openCDE | Offene Schnittstellen für den Austausch mit Datenumgebungen |
Die Reihenfolge ist eine Lesehilfe, kein verbindlicher Projektablauf. Begriffe und Anforderungen sollten beispielsweise geklärt sein, bevor ein Modell zur Prüfung geliefert wird. Der Austausch zwischen Werkzeugen begleitet mehrere dieser Schritte.
2. IFC — wie beschreiben wir das Bauwerk?
IFC (Industry Foundation Classes) ist das Datenmodell, in dem ein Bauwerk offen beschrieben wird. Es legt fest, welche Objektarten es gibt, welche Eigenschaften sie tragen können und wie sie zueinander stehen.
Neben der Geometrie beschreibt IFC die Bedeutung der Objekte, ihre Eigenschaften und Beziehungen. Eine als IfcWall übertragene Wand ist damit als Wand erkennbar, sofern das empfangende Werkzeug die Daten korrekt verarbeitet. Diese gemeinsame Struktur ermöglicht beispielsweise, Anforderungen gezielt für Wände zu formulieren und ihre Eigenschaften auszuwerten.
IFC ist als ISO 16739-1 genormt und liegt in mehreren Versionen vor. Vereinbare deshalb, welche Version für den jeweiligen Austausch verwendet wird und welche Inhalte die Empfänger benötigen.
Die nächste Lektion erklärt IFC genauer. Später vertiefen wir das Datenmodell in einem eigenen Modul.
3. bSDD — was bedeuten unsere Begriffe?
bSDD (buildingSMART Data Dictionary) stellt Datenwörterbücher bereit. Darin veröffentlichen unterschiedliche Organisationen Klassen, Eigenschaften, Definitionen und weitere Angaben. Eindeutige Kennungen, sogenannte URIs, machen die Einträge referenzierbar.
Ein Beispiel: Fachplaner liefern Angaben unter den Namen «Feuerwiderstand», «Brandschutzklasse» und «FireRating». Aus den Namen allein lässt sich nicht ableiten, ob sie dasselbe meinen. Zuerst muss geklärt werden, welche fachliche Eigenschaft und welche Werte verlangt sind. Erst dann lassen sich die gelieferten Angaben zuordnen und gemeinsam auswerten.
Über bSDD kann ein Projekt auf eine konkrete Definition verweisen. Das hilft, Begriffe auch über Sprachen und Werkzeuge hinweg eindeutig zu verwenden. Der Dienst führt unterschiedliche Begriffe jedoch nicht automatisch zusammen. Die Beteiligten müssen das passende Wörterbuch und dessen Version auswählen und ihre Daten entsprechend zuordnen.
bSDD ist deshalb schon bei der Formulierung von Anforderungen hilfreich. Einträge lassen sich in IFC und IDS referenzieren. Für die vereinbarte Benennung und Verwendung der Eigenschaften bleibt das Projekt verantwortlich.
4. IDS — was fordern wir konkret?
IDS (Information Delivery Specification) ist der buildingSMART-Standard, um Informationsanforderungen maschinenlesbar und prüfbar zu machen.
Ein Satz wie «Tragende Wände sind mit Feuerwiderstand zu kennzeichnen» lässt noch Fragen offen: Welche Eigenschaft kennzeichnet eine Wand als tragend? Wo soll der Feuerwiderstand stehen, und welche Werte sind zulässig? Für eine automatische Prüfung müssen diese Angaben präzise festgelegt werden. IDS hält sie in einer strukturierten Datei fest, die ein geeignetes Prüfwerkzeug auswerten kann.
Eine IDS-Datei enthält Spezifikationen. Jede beschreibt im Kern zwei Dinge: die Anwendbarkeit, also welche Objekte ausgewählt werden, und die Anforderungen, also welche Informationen diese Objekte enthalten müssen. So kann eine Regel etwa tragende Wände auswählen und prüfen, ob die vereinbarte Eigenschaft zum Feuerwiderstand vorhanden ist.
Mit IDS lassen sich alphanumerische Informationen prüfen, etwa Eigenschaften, Klassifikationen und Werte. Geometrische Prüfungen wie Mindestabstände oder Durchgangsbreiten gehören nicht dazu. Auch ein vorhandener, formal zulässiger Eigenschaftswert belegt noch nicht, dass er fachlich richtig ist.
Für die Anwendung brauchst du ein Prüfwerkzeug, das die vereinbarte IFC- und IDS-Version unterstützt. Es vergleicht das gelieferte Modell mit den IDS-Anforderungen und meldet Abweichungen. Diese Befunde müssen anschliessend eingeordnet und bearbeitet werden.
5. BCF — wie reden wir über Probleme?
Bei der Modellprüfung entstehen Befunde. Damit die zuständigen Fachplaner sie bearbeiten können, brauchen sie eine verständliche Beschreibung und einen nachvollziehbaren Bezug zum Modell.
BCF (BIM Collaboration Format) dient dem strukturierten Austausch solcher Themen. Ein Eintrag kann die Beschreibung mit Verweisen auf Modellelemente, gespeicherten Ansichten, Kommentaren und einem Bearbeitungsstatus verbinden. Der Austausch erfolgt über Dateien oder eine Softwareschnittstelle, die BCF API.
Ein BCF-Thema hilft dem Empfänger, die betroffene Stelle im Modell wiederzufinden. Dafür müssen der passende Modellstand und verwertbare Modellbezüge vorliegen; das Werkzeug muss die gespeicherte Ansicht unterstützen. Screenshots können einen BCF-Eintrag ergänzen. Der Nutzen liegt vor allem darin, dass Beschreibung und Modellbezug zusammenbleiben.
BCF unterstützt damit auch die Aufgabenverfolgung. Wer ein Thema übernimmt, bis wann es bearbeitet wird und wer es abschliesst, muss das Team dennoch vereinbaren. Das Austauschformat ersetzt diese organisatorischen Regeln nicht.
6. openCDE — wie verbinden wir unsere Werkzeuge?
Eine gemeinsame Datenumgebung, auf Englisch Common Data Environment (CDE), unterstützt die Bereitstellung und Verwaltung von Projektinformationen. Autoren- und Prüfwerkzeuge müssen auf diese Informationen zugreifen können; manchmal sind auch mehrere Datenumgebungen miteinander zu verbinden.
openCDE ist eine Familie offener Softwareschnittstellen, sogenannter APIs, für solche Verbindungen. Dazu gehören die Foundation API als gemeinsame Basis, die Documents API für Dokumente und die BCF API für Themen. BCF und openCDE überschneiden sich hier: Die BCF API ist Teil der openCDE-Familie.
Gemeinsame Schnittstellen erleichtern die Anbindung von Werkzeugen, nehmen den Anbietern die Umsetzung aber nicht ab. Für ein Projekt zählt deshalb, welche Schnittstellen und Versionen tatsächlich unterstützt werden und ob der benötigte Austausch funktioniert. Das solltest du bei der Werkzeugauswahl anhand eines konkreten Ablaufs prüfen.
7. Ein sinnvoller Einstieg für dein Team
Für das Lernen bietet sich IFC als Ausgangspunkt an. Die Einführung im Projekt richtet sich dagegen nach den Aufgaben und vorhandenen Werkzeugen:
IFC verstehen. Wer Klassen, Eigenschaften und Beziehungen kennt, kann gezielter festlegen, welche Informationen ein Modell liefern soll.
Anforderungen mit IDS prüfen. Beginne mit wenigen klaren Regeln für Informationen, die tatsächlich benötigt werden. Prüfe an einer Testlieferung, ob die Regeln die gewünschten Objekte erfassen und verständliche Befunde erzeugen.
Rückmeldungen mit BCF organisieren. Sobald mehrere Beteiligte offene Themen bearbeiten, lohnt sich ein gemeinsamer Ablauf. BCF kann dafür schon vor einer automatisierten IDS-Prüfung nützlich sein.
bSDD und openCDE nach Bedarf einbeziehen. Gemeinsame Begriffe brauchst du bereits beim Festlegen der Anforderungen; dabei kann bSDD helfen. Schnittstellen werden relevant, sobald Werkzeuge und Datenumgebungen Informationen austauschen sollen.
Verschiebe die Klärung von Begriffen oder Systemverbindungen deshalb nicht pauschal auf später. Wähle einen überschaubaren Anwendungsfall und führe die dafür benötigten Bausteine gemeinsam ein.
8. Typische Fehler
- Die Bausteine als austauschbare Lösungen behandeln. IFC beschreibt das Modell, IDS die prüfbaren Anforderungen und BCF die zu bearbeitenden Themen.
- Von IDS eine vollständige Modellprüfung erwarten. Für Geometrie und fachliche Richtigkeit sind zusätzliche Prüfungen nötig.
- BCF mit einem fertigen Bearbeitungsprozess gleichsetzen. Status und Zuweisungen helfen nur, wenn Zuständigkeiten und Abschlussregeln vereinbart sind.
- Ähnliche Eigenschaftsnamen für gleichbedeutend halten. Prüfe Definitionen und erwartete Werte, bevor du Daten zusammenführst.
- Versionen und Softwareunterstützung offenlassen. Vereinbare den Austausch und teste ihn mit den beteiligten Werkzeugen.
- Zu viel gleichzeitig einführen. Begrenze den ersten Anwendungsfall so, dass das Team ihn umsetzen und auswerten kann.
9. Mini-Checkliste
Für die Standortbestimmung in einem Projekt:
- Sind IFC-Version, Austauschzweck und benötigte Inhalte vereinbart?
- Sind Informationsanforderungen eindeutig beschrieben, und ist geklärt, welche davon mit IDS geprüft werden?
- Ist festgelegt, wie Befunde an die zuständigen Fachplaner gelangen und abgeschlossen werden?
- Verwenden alle Beteiligten abgestimmte Eigenschaftsnamen, Definitionen und Werte?
- Ist bekannt, welche Werkzeuge und Datenumgebungen zusammenspielen müssen?
- Wurde der vorgesehene Austausch mit einer Testlieferung erprobt?
Kläre offene Punkte nach ihren Auswirkungen auf die nächste Lieferung. Eine fehlende Anforderung oder ein ungeklärter Rückmeldeweg kann wichtiger sein als mehrere noch ungenutzte Funktionen.
10. Reflexionsfrage
Beantworte die fünf Fragen aus Kapitel 1 für dein aktuelles Projekt. Beschreibe jeweils, wie ihr die Aufgabe heute löst, welche Werkzeuge ihr verwendet und wer dafür zuständig ist.
Wähle anschliessend eine konkrete Schwierigkeit aus, etwa uneinheitliche Eigenschaften oder Befunde ohne klaren Modellbezug. Welcher der vorgestellten Bausteine könnte helfen? Was müsste das Team dafür vereinbaren oder an einer Testlieferung prüfen?
Merksätze
IFC, bSDD, IDS, BCF und openCDE erfüllen unterschiedliche Aufgaben und können im Projekt zusammenwirken.
IFC beschreibt Bauwerksinformationen. IDS macht Anforderungen an diese Informationen maschinell prüfbar. BCF hält offene Themen und ihre Modellbezüge zusammen.
bSDD unterstützt gemeinsame Definitionen; openCDE verbindet Werkzeuge über offene Schnittstellen. Der passende Einstieg ergibt sich aus dem Bedarf des Projekts.
Quellen und weiterführende Literatur
- buildingSMART — Industry Foundation Classes (IFC): technical.buildingsmart.org/standards/ifc
- buildingSMART — Information Delivery Specification (IDS): buildingsmart.org/standards/bsi-standards/information-delivery-specification-ids
- buildingSMART — BIM Collaboration Format (BCF): buildingsmart.org/standards/bsi-standards/bim-collaboration-format
- buildingSMART — bSDD-Datenstruktur und Wörterbücher: technical.buildingsmart.org/services/bsdd/data-structure
- buildingSMART — bSDD in IDS und IFC referenzieren: technical.buildingsmart.org/services/bsdd/referencing-bsdd-in-ids-and-ifc
- buildingSMART — openCDE Documents API und gemeinsame Schnittstellenbasis: github.com/buildingSMART/documents-API
- buildingSMART — Technische BCF-Dokumentation: github.com/buildingSMART/BCF-XML/blob/release_3_0/Documentation/README.md